Dienstag, 30. Juli 2019

  • Viladamat -> Bézier: 12:02h - 13:58h (1:54h 173km)
  • Bézier -> Montelimar: 15:33h - 17:55h (2:22h 196km)


Dieser Tag begann mit harmloser Routine. Frühstück im Hotel, Benzin besorgen, Flugzeug fertig machen, Landung und Übernachtung bezahlen. Flugvorbereitung. Den Flugplan gaben wir online auf - wir wollen in Bézier tanken, und dann mal schauen, wie weit wir an diesem Tag kommen.

Recht früh an diesem Tag türmten sich südlich von uns bedrohliche Wolken, so dass wir uns ein wenig beeilten. Das Aktivieren des Flugplan per Telefon gelang uns nicht - man verband mich von Pontius nach Pilatus. Also starteten wir, und aktivierten den Flugplan per Funk bei Girona Approach - eigentlich auch verboten; in Spanien darf man als UL-Pilot nicht einmal mit einem Flughafen funken. Sitzt man hingegen in einem Motorflugzeug, Motorsegler oder sogar Segelflugzeug ist das erlaubt. Eine spezielle Form von Logik.

Der Flug von Viladamat nach Bézier ist nicht weit - ca. 170km. Wir überquerten die Prenäen bei La Jonquera, überquerten den Flughafen Perpignan und folgten der Küste Richtung Bézier.

 

Perpignan

Auf dem Hinweg landeten wir hier - nun ging es mitten darüber hinweg: Flughafen Perpignan.

 

Port Leucate

Port Leucate

 

Und dann gestaltete der Tag sich unerwartet aufregend... Schmuel schrieb dazu in seinem Telegram-Kanal @schmultraleicht (https://t.me/schmultraleicht):

Arbeitssicherheit auf dem Flughafen Bézier:

Bevor ein großes Flugzeug wie etwa eine Boeing 737 die Triebwerke anlassen darf, erhält sie vom Tower eine Genehmigung. Und das aus gutem Grund. Die Piloten des Airliners können ja unmöglich sehen, was hinter dem Flugzeug vorgeht. Wenn die Triebwerke angelassen werden, muss weiträumig Platz gemacht werden.

Denn aus den Triebwerken strömt sehr schnelle, heiße Luft. Wie fatal wäre es, wenn hinter dem Flugzeug eine C22 stünde und keiner - auch nicht der Tower! - hat das auf dem Schirm?

Ich werde es euch erzählen.

Bereits vor der Landung in Bézier mussten wir in der Platzrunde Vollkreise drehen um den Einflug der Ryan-Air Maschine zu ermöglichen. Nach dessen Landungen und abrollen aufs Vorfeld erhielten wir unsere Landeerlaubnis. Wir erhielten die Anweisung zur Tankstelle zu rollen und zu warten. Erst solle der Linienflieger abgefertigt werden.

Während wir warten und uns darüber freuen, wie die Passagiere bei Ryan ein und ausgehen frischt der Wind etwas auf. Deshalb bleibe ich am Flugzeug, während Leo schonmal die Landegebühren zahlt. Kaum dass er zurück ist, ist das Bodenpersonal fertig mit der Versorgung des Linienfliegers. Und der... lässt die Triebwerke an!

Ich gehe zur anderen Tragfläche und halte den Flügel fest, dabei bekomme ich die heiße Abluft des Jets sehr direkt zu spüren. So stehen wir eine Zeit jeder an einer Tragfläche und warten ab. Die Kräfte die an der Maschine Zerren werden immer stärker. Klar wird: wir müssen hier weg. Doch kaum dass wir versuchen die C22 in sichere Gefilde zu bringen, legt der Jet los. Der Wind greift unter die Flügel von Friedrich Ludwig. Leo und ich stemmen nun mit unserem ganzen Körpergewicht - mit nur mäßigem Erfolg. Wie in Zeitlupe sehe ich, wie sich die andere Tragfläche mitsamt Leo zu heben beginnt. Während wir bedrohlich nah Richtung Jet A1 Tanklaster geweht werden. Wie durch ein Wunder kommen wir einige Meter vor dem Laster zum stehen. Die Schocksekunden danach reichen für eine Ewigkeit.

Nachdem wir wieder auf dem Boden waren macht sich Leo ans Funkgerät des Flugzeuges um höflichst beim Turm zum Ausdruck zu bringen, was gerade für eine Scheiße abging. Währenddessen eilt bereits ein Mitarbeiter des Flughafens und bald darauf die Flughafenfeuerwehr zu uns. Sie helfen uns dabei, das Flugzeug wieder zur Tankstelle zu rollen. Mit dem großen Einsatzfahrzeug wird ein Windschatten erzeugt, der vor dem Anlassen der zweiten Ryan Maschine schützen soll. Später kommt noch der Tower-Chef sehr missmutig zu uns und spricht uns seine aufrichtige Entschuldigung aus.

Das Glück ist unfassbar: unser Flugzeug scheinbar unversehrt. Auch wir sind mit dem Schrecken davongekommen. Nach der Betankung des Flugzeuges aber machen wir uns sofort auf den Weg, weg von Bézier.


Ruhe vor dem Sturm


Feuer- oder Windschutz ?


Der Flug auf den Schreck danach war wenigstens sehr schön !

 

Hinweis: dieser Artikel ist in der Ich-Form geschrieben, da er so im Telegram-Kanal @schmultraleicht https://t.me/schmultraleicht veröffentlicht wurde. Wer Telegram hat kann da gern mal reinschauen ;)

Liebe Grüße und gute Nacht,

Schmuel

 

Mein Kommentar dazu im UL-Forum:

Das Abenteuer hätte also heute zu Ende sein können...

Mit uns beiden an den Flügelenden hängend haben wir "nur" 20-30 Meter zurückgelegt, bis wir dann kurz vor dem Einschlag in den Jet A1-Tankwagen in einem winzigen Graben zum Stehen kamen.

Nachdem ich dem Tower mitgeteilt hatte, was geschehen war, kam reichlich Hilfe. Was ganz gut war, denn der Graben war nun doch zu tief, um die C22 dort zu zweit wieder heraus zu bekommen. Was mag sich der Ryanair-Pilot gedacht haben ? Der war garantiert noch auf der Frequenz, weil noch am Boden.

Der Feuerwehr-Truck als Windschutz gegen den zweite Ryanair-Flieger hat dann gut funktioniert. Und plötzlich war man so besorgt um uns, dass sogar das Tanken zügig ging.

Danach haben wir uns den Flieger gründlich angeschaut. Insgesamt waren die Lasten sicher nicht zu groß. Aber die irische heisse Luft kam von hinten. Alle Ruder waren an die Anschläge geblasen worden. Also haben wir alle Ruderaufhängungen und -antriebe sorgfältig angeschaut und mehrfach kontrolliert.

Es gibt Momente, da ist es unbezahlbar, in der Werkstatt eines Segelflugvereins aufgewachsen zu sein.....  an dieser Stelle viele Grüße an den SCU.

Also: sie fliegt weiterhin gut (im Rahmen ihrer Möglichkeiten) und gerade.

 

Ein Pilot, der meine Beschwerde beim Tower offenbar mitgehört hatte, schrieb in einem PiRep:

[...] Also, when we departed at Béziers we heard over the radio a pissed pilot that his aircraft was blown away a few meters by an arriving Ryanair B737. I would suggest you park as far as possible from 1B/2B/3B, so 3AE, 4AE or in the grass

 

Wir sahen also zu, dass wir weg kamen aus Bézier. Der Tower-Chief fragte uns noch während wir schon zur Piste rollten, ob das Flugzeug wirklich in Ordnung sei. Wir konnten es ihm offenbar glaubhaft versichern - und bekamen unsere Startfreigabe.

Nach all der Aufregung machten wir es uns einfach, und flogen nach Montélimar. Den Flugplatz kannten wir schon vom Hinweg, wussten was uns dort erwartete und kannten den Weg zum nächstgelegenen McDonalds. Wir landeten spät, der Flugplatz war menschenleer. Es wehte ein kräftiger Nordwind, und wir parkten die C22 im Windschatten einer Flugzeughalle. Es war eine halbe Stunde Fußmarsch bis zum nächsten Hamburger.

Die Nacht wurde unruhig, der Wind frischte mehr und mehr auf. Für mich wurde es eine unruhige Nacht.

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